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  Praxis Aktuell

Gesegnete Weihnachten und ein glückliches, gesundes Neues Jahr
Liebe Patientinnen und Patienten,

meine Mitarbeiterinnen und ich wünschen Ihnen erholsame Feiertage sowie Glück und Gesundheit im Neuen Jahr.

Die Praxis ist vom 22.12.2009 bis zum 06.01.2010 geschlossen.

Die vertretenden Hautärzte entnehmen Sie bitte der Ansage unter der Praxistelefonnummer.

Ihr

Dr. med. Andreas Kist




Hautpflege im Winter
Hautpflege im Winter



Um die Haut im Winter vor dem Austrocknen zu schützen, ist eine regelmäßige Hautpflege mit fettreichen Cremes sehr wichtig. Das gilt insbesondere, wenn die Haut an sich schon sehr trocken ist. Dabei sollte nicht nur an das Gesicht und die Hände gedacht werden, sondern auch an den von Kleidung bedeckten Körper. Auch dieser benötigt im Winter mehr Feuchtigkeit.

Patienten mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte sollten gerade im Winter daran denken, die Basispflege mit einer fettreichen Creme konsequent durchzuführen.

Die folgenden Hinweise helfen Ihnen, Ihre Haut und die Haut Ihrer Kinder auch im Winter "entspannt" und geschmeidig zu halten:

* Vermeiden Sie lange, heiße Bäder und übertrieben häufiges Duschen.
* Baden Sie maximal 2x pro Woche, nicht länger als 10-15 Minuten. Die Temperatur des Badewassers sollte dabei nicht höher sein als etwa 36 °C. Als Badezusatz eigenen sich rückfettende Ölbäder.
* Verwenden Sie auch beim Duschen nur lauwarmes Wasser und milde Hautreinigungsprodukte, deren pH-Wert dem der Haut ähnelt (ca. 5,5).
* Verwenden Sie Seifen und Reinigungsmittel nur sparsam.
* Tragen Sie nach dem Baden und Duschen reichlich rückfettende, pflegende Cremes oder Lotionen auf.
* Um die Haut beim Aufenthalt im Freien vor Kälte und Austrocknen zu schützen, gibt es so genannte Wind- und Wettercremes, die häufig speziell auf die Bedürfnisse der Haut von Kindern angepasst sind.
* Wenn Sie sehr sensible Haut haben oder an Allergien leiden, lassen Sie sich ggf. von einem Hautarzt oder in Ihrer Apotheke beraten, welche Hautpflege für Sie geeignet ist.
* Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
* Die Luftfeuchtigkeit in Räumen sollte oberhalb von 50 % liegen. Verwenden Sie daher ggf. Luftbefeuchter.
* Wenden Sie sich bei anhaltenden Hautproblemen wie Juckreiz oder Entzündungen an einen Hautarzt.




Akne: richtig handeln bei Pickel-Alarm
Akne:

Richtig handeln bei Pickel-Alarm

In der Pubertät haben Jugendliche oft mit Hautproblemen zu kämpfen. Nicht alle Behandlungsmethoden helfen


Als ob man zwischen 12 und 18 Jahren nicht schon genug andere Probleme an der Backe hätte! Doch gerade in dieser kritischen Entwicklungsphase spielt auch noch die Haut verrückt. Der Umbruch vom Kindsein zum Erwachsenwerden steht etwa 60 bis 80 Prozent aller Jugendlichen ins Gesicht geschrieben – in Form punktförmiger schwarzer Mitesser und dicker roter Pickel.


Dass die Haut so unschön „erblüht“, geht auf das Zusammenwirken mehrerer Faktoren zurück. Einer davon ist die gesteigerte Produktion von Geschlechtshormonen, welche die Aktivität der Talgdrüsen anregen. „In erster Linie sind dafür Androgene, also männliche
Geschlechtshormone, verantwortlich – auch bei den Mädchen“, erklärt Dr. Carolin von Bormann-Altmeyer, Fachärztin für Dermatologie in Bochum und Mitarbeiterin in der Akne- Sprechstunde des Universitätsklinikums. Der verstärkt produzierte Talg sammelt sich fettig glänzend auf der Hautoberfläche.


Eine weitere Ursache ist eine Verhornungsstörung: An den Ausgängen der Talgdrüsenbläschen (Follikel) lagern sich vermehrt Hornzellen an, sodass die feinen Ausführungskanäle verstopfen. „Auch die kleinen Vellushaare, die normalerweise aus dem Follikel herauswachsen, verhaken sich darin“, ergänzt Dr. Andreas Kist, Facharzt für Dermatologie in Ettlingen. Der größer werdende Hornzellpfropf wird schließlich als Mitesser sichtbar. Hat dieser sich nach außen hin bereits geöffnet und mit Sauerstoff reagiert, zeigt er sich als schwarzer Punkt („Komedo“). Liegt er noch abgekapselt unter der Haut, wird er als „Milie“ bezeichnet.


Bakterien haben leichtes Spiel


Eigentlich harmlose Bakterien, die auf der Hautoberfläche leben, fühlen sich in der angestauten Fett-Zell-Haar-Verbindung eines Mitessers besonders wohl. „Diese Bakterien leben von den Fetten und ernähren sich davon“, sagt von Bormann-Altmeyer. Dabei produzieren sie Stoffe, die zu einer Entzündung der Talgdrüse führen und die Follikelwand schädigen. Die Talgdrüse platzt in das Hautgewebe, gerötete oder mit Eiter gefüllte Wölbungen entstehen – sogenannte Papeln und Pusteln.

Am stärksten von Pickeln besiedelt ist im Gesicht meist die „T-Zone“ – „also Stirn, Nase, Kinn, weil dort die meisten Talgdrüsen sitzen“, sagt die Hautärztin. Eine besonders schwere Form ist die Acne conglobata, bei der sich tief sitzende, entzündete Knoten und Fistelgänge bilden. Sie gehört dauerhaft in fachärztliche Behandlung, sonst kommt es zu entstellenden Narben.


Schonend reinigen und pflegen


Die Therapie hängt generell vom Schweregrad ab. Bei leichter Akne ohne ständig vorhandene Pusteln und Papeln verbessert häufig schon eine konsequente Reinigung und Pflege mit geeigneten Produkten das Hautbild: Seifenfreie Syndets und Lotionen aus der Apotheke befreien die Haut von überschüssigem Talg, sodass der äußerliche Nährboden für Entzündungsprozesse verschwindet. Fettfreie Fluids oder Cremes – auch mit antibakteriellen Zusätzen – mattieren den Teint.


„Mit einer milden Reinigung und Pflege lässt sich der Zustand der Akne-Haut deutlich stabilisieren. Die krankhaften Hautveränderungen werden dadurch allerdings nicht beeinflusst“, schränkt Experte Andreas Kist ein.


Medikamente bei schwerer Form

Bei ausgeprägter Akne ist der Hautarzt gefragt. Treten Papeln und Pusteln verstärkt auf, sollte die Akne medikamentös behandelt werden. Äußerlich angewandte Schälmittel wie Benzoylperoxid oder die rezeptpflichtigen Wirkstoffe Azelainsäure und Vitamin-A-Säure (Tretinoin) lösen die Hornpfropfe an den Talgdrüsenausgängen und normalisieren hauterneuernde Prozesse. Benzoylperoxid und Azelainsäure wirken antibakteriell. Lokal auf gebrachte Antibiotika töten ergänzend die Bakterien ab, die entzündliche Vorgänge in Gang bringen.


Bei schlimmer Akne verordnet der Hautarzt Präparate zur innerlichen Anwendung, z. B. Antibiotika wie Minozyklin und Tetrazyklin. Isotretinoin, ein Abkömmling der Vitamin-A-Säure, der die Talgdrüsen dauerhaft verkleinert, hilft bei schweren Formen wie der Acne conglobata.

Auch die Pille kann helfen

Die Medikamente sind in der Regel gut verträglich. Dennoch muss der Arzt die Einnahme wegen möglicher Nebenwirkungen regelmäßig kontrollieren. Antibiotika können phototoxische Reaktionen hervorrufen oder Pigmentablagerungen in Zähnen und Haut fördern. Isotretinoin reizt eventuell die Haut. Weil es stark fruchtschädigend wirkt, muss eine Empfängnis sicher ausgeschlossen sein (gegebenenfalls sind regelmäßige Schwangerschaftstests Pflicht).


Junge Frauen, die mit der Pille verhüten, können Akne möglicherweise mit der Umstellung auf ein anderes Präparat beeinflussen: „Pillen mit antiandrogenen Wirkstoffen wie Cyproteronacetat und einem höheren Östrogenanteil wirken positiv auf die Akne“, weiß Carolin von Bormann-Altmeyer. Gestagenhaltige Präparate hingegen können die Bildung von Pusteln und Papeln sogar fördern.

Ausdrücken birgt Risiken

Pickel und Mitesser zu entfernen ist eine gefährliche Angelegenheit. „Durch nicht fachgerechtes Drücken gelangen sehr schnell Eiterbakterien in die Tiefe und verteilen sich in das umliegende Gewebe. Dadurch kann sich ein Abszess bilden“, warnt die Hautärztin Carolin von Bormann-Altmeyer. Selbsthilfe-Maßnahmen beeinflussen eine Akne selten günstig.

Auch eine Umstellung der Ernährung verbessert das Hautbild nur unwesentlich. Umgekehrt blüht eine Akne auch nicht durch den Verzehr von Süßigkeiten auf. Dermatologin von Bormann-Altmeyer: „Das ist definitiv ein Ammenmärchen.“

Tipps zur Hautpflege

- Bei schwerer Akne sollten die Pusteln auf jeden Fall von einem Hautarzt oder einer Kosmetikerin entfernt werden. Wird der Pickel beim Drücken in das Gewebe gequetscht, droht sogar Narbenbildung.

- Zum Abtrocknen des Gesichts nach der Reinigung keine Handtücher, sondern Kosmetiktücher verwenden.

- Das Gesicht immer nur trocken tupfen, auf keinen Fall reiben.

- Keine Peelings mit groben Partikeln verwenden. Sie verletzen möglicherweise die gesunden Hautbereiche.

- Junge Frauen mit Akne sollten zum Schminken nur fett-/ölfreies Make-up („nicht komedogen“) benutzen. Einzelne Pickel am besten mit einem Abdeckstift kaschieren.

- Junge Männer sollten beim Rasieren darauf achten, die Pickel nicht zu verletzen. Die Klingen häufig wechseln und die Scherköpfe eines Elektrorasierers nach jeder Rasur gründlich säubern.

Apotheken Umschau, 07.02.08

Gerne stehen mein Team und ich Ihnen zur Verfügung, wenn es darum geht, Ihre Pickel in den Griff zu bekommen.

Ihr
Dr. med. Andreas Kist




Gesundheitskarte - E-Card-Chaos: Österreich macht’s vor
Österreich: groß beim Datensammeln, klein beim Datenschutz

Eine Fehlermeldung erscheint auf dem Bildschirm, als Christian Euler gerade einen Patienten behandelt. Er ist Chef des Österreichischen Hausärzteverbandes und kennt die Mühen, Fehler und Pannen der Gesundheitskarte aus eigener Erfahrung. Er schaltet sein Kartenlesegerät an und aus, ruft bei der Hotline an und erfährt: Das ganze System ist mal wieder für ein paar Stunden ausgefallen und so lange kann er keine Leistungen abrechnen.

Das Versagen der Technik ist jedoch das geringste Problem. Seit drei Jahren sammelt Euler all die Probleme und den Frust in seinem „e-Card-Tagebuch“ im Internet. Dort kann sich jeder einen Eindruck verschaffen, wie es in einem Überwachungsstaat zugehen muss. „Die Person hinter der Nummer interessiert die Politik nicht mehr“, seufzt Euler. Einmal kam eine verwitwete Frau, die sich lange um ihren Mann gekümmert hatte und nun kurz nach seinem Ableben selbst medizinische Hilfe benötigte. Doch beim Einlesen der Karte wies diese sie als nicht mehr versichert aus: Sie war bei ihrem Mann mitversichert gewesen und die Verwaltung hatte sich auch nach Wochen nicht um die Änderung gekümmert. Tragisch, dass der Arzt gerade sie nicht behandeln durfte. „Das sind keine Einzelpannen. Ein System, das ausschließlich der Bürokratie dient, kann auf einzelne Menschen keine Rücksicht nehmen“, stellt Euler fest.

Lachender Dritter ist die Verwaltung: Für sie sind die Patienten durchsichtig wie Glas. „Sie müssen sich das vorstellen wie bei Google“, erklärt Euler. „Sie geben die Nummer ein und finden alle Gesundheitsanbieter, bei denen der Patient jemals war, alles, was er für Leiden hatte und was er geschluckt hat.“ Denn wann immer ein Arzt oder Apotheker die Karte ins Lesegerät steckt, fließen Name, Datum, Name des Arztes oder Apothekers und der Anlass des Besuchs durch die Kabel. Seine Daten hält nicht der Patient in der Hand, stattdessen sind sie säuberlich auf den Zentralspeichern geparkt.

Die Karte enthält nur Name, Titel und Versicherungsnummer des Versicherten und dient als Schlüssel zu den Speichern. Was viele nicht wissen: Ganz ähnlich ist es auch in Deutschland geplant. In Österreich sollen die Patienten bald sogar Befundberichte und Medikation hergeben und in einer Gesundheitsakte ablegen. Wer Einsicht erhält und wie weit dessen Blick reicht, bestimmen die Politiker.

„Die Sozialversicherungsnummer ist der Name des ‚statistischen Menschen‘“, beobachtet Euler. Er erinnert sich noch gut, wie er eines morgens Radio hörte und seinen Ohren nicht trauen wollte: Sogar österreichische Schülerdaten, Noten, Nachprüfungen, Nachhilfe und Betragen sollen gekoppelt mit der Sozialversicherungsnummer an Statistik Austria gemeldet und 60 Jahre gespeichert werden. „Zugriffsberechtigt auf diesen Datenschatz sind neben der Schulbehörde und dem Gesundheitsministerium auch Bürgermeister. Das ganze heißt ‚Bildungsdokumentation‘.“ Von seiner Tochter weiß er, dass sie sich ohne e-Card nicht einmal an der Universität einschreiben kann.

Auch Konzerne könnten bald Patienten auf Profitgelegenheiten durchleuchten, warnt Euler. Der Chaos Computer Club befürchtet, dass genau dies in Deutschland passieren wird. „Es dürfte für einen Unfallpatienten nicht angenehm sein, in seinem Briefkasten ein Angebot über günstige Hüften zu finden“, prophezeite der Sprecher Dirk Engling. Schlimmer noch sei es, wenn Unternehmen bei Einstellungsgesprächen vorher die Leiden der Bewerber ermitteln, um nur die Gesündesten anstellen zu können, warnt Gaby Thiess von einer Patientenselbsthilfegruppe. „Der Schweigepflicht meines Arztes kann ich trauen, der Datenbank nicht.“

Die Karte ist zu nichts anderem gut, als die Ärzte und Patienten zu kontrollieren, ist sich Euler sicher: Die Lesegeräte wirken wie Stechuhren. Jedes Mal, wenn der Patient seine Karte hineingesteckt und sich ins Wartezimmer gesetzt hat, weiß die Krankenkasse von dem Besuch – noch vor dem Arzt. „Das Ganze ist ein Gesetzestrick von Bürokraten, um die alleinige und unbegrenzte Macht über das Gesundheitssystem zu erhalten“, schimpft er. Es sei schon erstaunlich, wie den Verantwortlichen dieser Coup gelungen sei.

Die Leidtragenden sind Patienten und Ärzte. Die Kassen bezahlen immer weniger Leistungen, die Ärzte sind immer mehr damit beschäftigt, Formulare auszufüllen und Krankheiten zu verwalten, statt sich Zeit für die Patienten nehmen zu können. „Der Grund ist ein permanentes Misstrauen der Politik, dass die Patienten sich zu viel behandeln lassen und die Ärzte zu teuer arbeiten“, klagt Euler.

Ein weiteres Instrument der Kontrolle ist die Bewilligung von Rezepten in Echtzeit durch die Kassen, die es in Österreich schon für einige Medikamente gibt. Will Euler beispielsweise einem Diabetespatienten Glitazon verordnen, entscheidet sofort ein kontrollierender angestellter Arzt bei der Kasse am anderen Ende der Leitung, ob der Patient es bekommen darf. Dabei hat er den Patienten nie gesehen. „Dahinter steckt nichts als Misstrauen gegenüber mir als dem behandelnden Arzt“, sagt Euler. Mit Sorge sieht er, dass auch Deutschland sich in diese Richtung entwickelt. Ob die Deutschen wohl wissen, dass die elektronische Gesundheitskarte nur der Anfang ist?


Quelle: www.durchblick-gesundheit.de
Do, 28.08.2008 16:52 / Nils Franke / Mai 2008




Die kalte Jahreszeit – Die beste Behandlungszeit für Besenreiser & Co.!

Welche Frau wünscht sich nicht schöne und gesunde Beine? Doch was tun, wenn Besenreiser oder kleine Krampfadern vorhanden sind? Wie wirksam ist die Mikro-Sklerotherapie? Und was sind eigentlich Besenreiser genau?


Eine Studie der Universitäts-Hautklinik Bonn unter der Leitung von Prof. Dr. med. Eberhard Rabe fand heraus, dass rund 60 Prozent der erwachsenen Deutschen ‑ Männer wie Frauen – Besenreiser oder kleine "Mini"-Krampfadern, so genannte „retikuläre Varizen“, haben.

Beide Formen gehören zu der Gruppe der Gefäßerkrankungen der Beinvenen und treten bevorzugt in der Kniekehle oder an der Außenseite der Ober- und Unterschenkel auf. Frauen sind auf Grund der Veranlagung sowie der besonderen Hormonsituation oftmals häufiger betroffen als Männer. Im Gegensatz zu den großen, oft richtig ausgebeulten Krampfadern (Varizen), die sich oft mit Beschwerden und Durchblutungsstörungen bemerkbar machen, werden die Besenreiser als ästhetisches Problem angesehen.


„Da die Bedeutung des ästhetischen Erscheinungsbildes neben funktionellen Störungen auch in Zukunft eine wesentliche Rolle im täglichen Leben spielen wird, kommt der Behandlung solcher venösen Veränderungen eine große Bedeutung zu“, bestätigt Prof. Dr. Rabe, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie. „In den Altersgruppen bis 39 Jahre haben wir bei bis zu 70% Besenreiser gefunden, übrigens einschließlich der Männer“.

Die meisten Patienten empfinden die bläulichen oder rötlichen Linien, die an den Beinen mal nur vereinzelt, mal massiv auftreten, als sehr unschön und enorm störend. Der Wunsch nach einer schonenden Beseitigung dieser Gefäßerweiterung ist da nur zu verständlich.

„Diese in der Haut liegenden Venen können nach den derzeit vorliegenden Daten mittels Sklerosierungsbehandlung besser als mit konkurrierenden Verfahren wie der Laser-Therapie behandelt werden“, erläutert Dr. Stücker vom Venenzentrum an der Universität Bochum. „Vorab ist aber immer eine gründliche Venenuntersuchung, wie zum Beispiel der „Venen-Check“, den wir in unserer Beinsprechstunde anbieten, ratsam, da nur so ernsthafte Erkrankungen des tiefer liegenden Venensystems ausgeschlossen werden können“ ergänzt Dr. Guggenbichler, Venenspezialist aus München.





Welche Behandlungsmethoden sind sinnvoll?

Vor einer Behandlung jeglicher Art sollte das Venensystem von einem entsprechend fachkundigen Arzt untersucht werden. Dies geschieht zum Beispiel mit Ultraschallgeräten, so dass sich die eher kosmetischen von den ernsthaften Krankheitsbefunden meist eindeutig unterscheiden lassen.

Gegen Besenreiser und kleine Krampfadern wird bei ansonsten gut funktionierendem Venensystem die Mikro-Sklerotherapie als Behandlung der ersten Wahl eingesetzt. Dabei werden kleine Mengen eines flüssigen Medikamentes mit äußerst dünnen Nadeln direkt in die kleinen oberflächlichen Gefäße gespritzt, meist in mehreren Sitzungen. Dies bewirkt eine Auflösung der inneren Venenwand: Das Gefäß verklebt und wird nach und nach vom Körper selbst abgebaut. Mit der Mikro-Sklerosierung kann eine Verbesserung um 80 bis 90 Prozent erreicht werden, was, da sind sich die Experten einig, das beste Ergebnis bei der Behandlung von Besenreisern ist.



„Die Sklerosierung hat wenig Nebenwirkungen, ist sicher und wirkungsvoll“, unterstreicht der Phlebologe Dr. med. Franz Xaver Breu vom Gefäßinstitut in Rottach-Egern am Tegernsee. „Wir behandeln durchschnittlich 12 Patienten pro Tag mit Sklerotherapie. Bei der Mikro-Sklerosierung erreichen wir sehr gute Ergebnisse - die Patienten sind zufrieden“.



Besonders wichtig ist der richtige Behandlungszeitraum: Zwar machen sich die Venenprobleme vor allem an heißen Sommertagen so richtig bemerkbar, aber in der kalten oder kühleren Jahreszeit von Oktober bis April ist die beste Zeit für eine erfolgreiche Therapie.

Nach der Mikro-Sklerotherapie ist eine Sonneneinstrahlung für den Zeitraum von etwa sechs Wochen eher weniger günstig, weil sonst eher mal kleine bräunliche Flecken entstehen können, die aber nach und nach wieder verschwinden“ erläutert Dr. Breu. „Außerdem wird der Erfolg der Behandlung durch das notwendige Tragen von Kompressionsstrümpfen für einige Tage nach der Therapie unterstützt“, betont Dr. med. Mete Camci aus der MediaPark-Klink in Köln, „und das ist im Sommer vielen Patientinnen einfach viel zu warm".



Was kann man noch gegen Besenreiser tun?

Als Risikofaktoren für die Entstehung von Besenreisern sind in erster Linie das Alter und Schwangerschaften zu nennen. Die Veranlagung zu schwachem Bindegewebe wird ebenfalls verantwortlich gemacht. Leider können Besenreiser beispielsweise mit Crèmes nicht beseitigt werden. Die Entstehung kann unter Umständen durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen, durch Beine hochlegen und ausreichend Bewegung möglicherweise verlangsamt werden. Oft wird auch eine spezielle Venengymnastik oder das „Venenwalking“ empfohlen. Beginnende Beinbeschwerden wie beispielsweise ein Schweregefühl oder Schwellneigung, die bei größeren Krampfadern häufig auftreten, lassen sich traditionell auch mit so genannten Venenmitteln in Tablettenform auf der Basis von Weinlaub, Rosskastaniensamenextrakt oder Rutin bessern.



Wer bezahlt die Kosten?

Die Entfernung von Besenreisern aus ästhetischen Gründen ist eine Leistung, deren Kosten nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden dürfen. Im Gegensatz dazu zahlen die Krankenkassen jedoch bei Venenerkrankungen die Untersuchung, ebenso wie die Standardbehandlungen von behandlungsbedürftigen Krampfadern.





Neues für Allergiker
Pollenflug in Europa -
Früher, länger, intensiver



Mehr als zwölf Millionen Deutsche leiden jedes Jahr an Heuschnupfen. Deshalb interessieren Start, Dauer und Intensität der Pollensaison jeden leidgeprüften Allergiker zu Beginn eines Jahres brennend. Ab wann und wie lange muss er leiden?

Dramatische Zunahme von Pollen und Sporenbelastungen

Prof. Dr. Thomas Fuchs, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA): "Wir sind heute sicher, dass es zwischen Pollenexposition und dem Auftreten von allergischem Schnupfen eine eindeutige Dosis-Wirkungs-Beziehung gibt. Klar ist auch, dass die Anzahl von Atemwegserkrankungen aufgrund von Pollen und Sporenbelastungen in der Luft in den letzten Jahrzehnten weltweit dramatisch zugenommen hat." Aber wo liegen die Ursachen? Welche Bedeutung haben die veränderten klimatischen Bedingungen?

Veränderungen der Pollensaison


Seit Jahren werden in den meisten europäischen Ländern penibel Pollenflugkalender geführt und bei der EAN, dem europäischen Pollenflug-Netzwerk, gesammelt. Wer oder was blüht wann, wie lange und mit welcher Intensität? Eine Arbeitsgruppe um Professor Siegfried Jäger vom Allgemeinen Krankenhaus in Wien hat jetzt mehr als 20.000 Jahresberichte der EAN aus den Jahren 1974 bis 2001 auf die Pollenflug-Aktivität verschiedener Pflanzen hin untersucht. Fünfzehn Pollentypen, darunter Früh- und Spätblüher, kultivierte und wildwachsende Pflanzen und Bäume, wurden verglichen.

Start und Höhepunkt der Pollensaison haben sich bei den Frühblühern wie Erle, Hasel, Weide und Ulme um im Schnitt 20 Tage nach vorne geschoben. Dies gilt für alle Pflanzengattungen, die normalerweise vor Ende April blühen. Auch Heuschnupfenpatienten z. B. mit Allergien auf Roggen oder Glaskraut, die früher erst Mitte bis Ende Mai mit Niesattacken rechnen mussten, werden heute häufig schon im April unangenehm überrascht.


Wer bereits früher im Jahr durch Pollenflug geplagt wird, kann aber nicht unbedingt darauf hoffen, auch früher wieder befreit atmen zu können. Allerdings sind hier die Trends nicht so eindeutig und abhängig von Klimazonen. Auf eine verlängerte Saison müssen sich generell die Allergiker im Mittelmeerraum, an den Meeren und in den Alpen einstellen. In Mitteleuropa, also auch in Deutschland, gilt diese Verlängerung des Pollenfluges für Gräser und Kräuter, aber auch für Bäume, die zwischen März und Mai (Birken, Eichen, Buchen, Eschen, Platanen, Linden) blühen. Bei Erle und Hasel, aber auch bei Weide und Ulme konnte dieser Trend in den letzten Jahrzehnten nicht gezeigt werden.


Höhere Pollenbelastung

Eine insgesamt höhere Pollenbelastung, gemessen durch die Anzahl der Pollen pro Kubikmeter Luft, konnte insbesondere bei den Pflanzen-Gattungen gezeigt werden, die zwischen Juni und September blühen. Dazu zählen u. a. Gräser und Getreide, aber auch Gänsefuß, Sauerampfer und Spitzwegerich. Von dieser quantitativ höheren Belastung wiederum besonders betroffen sind Alpenregionen in Österreich, Frankreich und der Schweiz.


Veränderungen im ökologischen Gefüge

Auch wenn es keinen endgültigen Beweis gibt, deutet vieles daraufhin, dass die globale Erderwärmung in direktem Zusammenhang mit den Veränderungen im europäischen Pollenflugkalender steht. So konstatierte der holländische Klimaforscher Prof. Marcel E. Visser auf dem ersten europäischen Kongress für Phänologie (Entwicklung häufiger Kultur- und Wildpflanzen im jahreszeitlichen Ablauf) in Wageningen: "Die Erwärmung der Erde in den letzten 25 Jahren hat in Mitteleuropa zu weit reichenden Veränderungen im ökologischen Gefüge geführt.

Höhere Frühlingstemperaturen und ein früherer Frühlingsanfang, eine längere Herbstzeit und wärmere und kürzere Winter stellen die Natur schon heute vor große Herausforderungen." Und natürlich auch die Allergiker: Ein früherer Beginn der Heuschnupfenplage, eine teilweise längere Pollenzeit und höhere Pollenlast haben die Belastung der Patienten in den letzten Jahrzehnten erheblich verstärkt.

Auch die Urlaubsgewohnheiten werden beeinflusst. So muss z. B. der Erlen-Allergiker, der es nach überstandener Saison Ende März in Deutschland gewohnt war, sich in den Alpen am Aufblühen von Fauna und Flora in der freien Natur zu erfreuen, jetzt auch in den Bergen schon ab Anfang Mai damit rechnen, dass unterhalb der Baumgrenze die grüne Erle blüht. Die Plage beginnt dann von Neuem.

Auch Kreuzallergien, die sich z. T. erst nach einem Besuch in einem mediterranen Urlaubsort bemerkbar machen, sind auf der Tagesordnung. So reagiert der Eschen-Allergiker auf den Ölbaum in Italien, verursacht der heimische Wacholder eine Kreuzallergie mit den Zypressen im Mittelmeerraum.


Doch Hilfe gibt es für den geplagten Allergiker natürlich auch: Eine rechtzeitige Beratung beim allergologisch tätigen Facharzt und eine spezifische Immuntherapie mit molekular definierten Allergenen bieten den Betroffenen heute die Chance, den Veränderungen im europäischen Pollenflugkalender zu trotzen.

In unserer Praxis haben Sie die Möglichkeit der kompletten allergologischen Diagnostik, um die Ursachen Ihrer allergischen Beschwerden zu eruieren, sowie sämtlicher moderner Therapien.




Budgetierung und Zuteilungsmedizin sind schuld an längeren Wartezeiten für Kassenpatienten
Nachricht Mittwoch, 02. April 2008 12:48

Budgetierung und Zuteilungsmedizin sind schuld an längeren Wartezeiten für Kassenpatienten

Kassenpatienten müssen im Durchschnitt dreimal so lange auf einen Termin beim Facharzt warten wie privat Krankenversicherte. Das will das Institut für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie in Köln herausgefunden haben. Eine aktuelle Studie des Instituts um den Gesundheitsökonomen Prof. Karl Lauterbach belegt offenbar unterschiedliche Wartezeiten von bis zu einem Monat. Der Ärzteverbund MEDI Deutschland sagt: An den höheren Wartezeiten sind Budgetierung und Zuteilungsmedizin schuld.

Denn wie viel Geld die Behandlung eines Kassenpatienten pro Quartal im Durchschnitt kosten darf, ist von vornherein genau festgelegt, erklärt der Vorsitzende von MEDI Deutschland, Dr. Werner Baumgärtner: "Die Krankenkassen geben hier einen bestimmten Betrag dem Arzt. Der muss das verwalten. Und er muss dann in der Praxis Zuteilungsmedizin machen. Er muss rationieren. Er muss mit dem Patienten diskutieren, ob er eine Leistung bekommt oder ob er sie nicht bekommt."

Wird das Budget überschritten, muss der Arzt selbst zahlen. Wenn die Praxen nur von den Einnahmen durch die Kassenpatienten leben müssten, wären die meisten längst pleite, so der MEDI Vorsitzende. Die Praxen brauchen die Privatpatienten dringend, und sie haben größere Spielräume bei ihrer Behandlung. Vor allem deshalb warten Privatpatienten in aller Regel kürzer. "Man hat keine Budgets bei den Arzneimitteln, keine Budgets bei den Heilmitteln, also Massagen oder Physiotherapie. Man hat auch keine Budgets, was jetzt die eigene Behandlung angeht, also es gibt keine Obergrenzen. Und man hat einfach als Arzt mehr Spielräume", so Baumgärtner weiter.

Ein alltägliches Beispiel gibt der MEDI Chef aus einer Kinderarztpraxis: Auch hier sind die Verordnungen für Kassenpatienten streng budgetiert: "Das heißt: um einem Kind Logopädie aufzuschreiben, brauchen Sie dann sicher 50 bis 100 Kinder, die nichts verschrieben bekommen. Und der Kinderarzt muss eben diese Entscheidung treffen, welches Kind jetzt die Logopädie bekommt von den 50."

Dass die Kassenpatienten sich über die längeren Wartezeiten ärgern, verstehen die Ärzte nur zu gut. Vor allem, weil gerade mal 15 Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen in die Praxen der niedergelassenen Ärzte fließen. Werner Baumgärtner:"Ich habe viel Verständnis für die Kassenpatienten, weil die Leute ja selber viel Geld zahlen. Und wir wollen, dass eben die Kassen wieder Geld für unsere Diagnostik ausgeben, damit wir den Patienten diese auch anbieten können, dass die Wartezeiten entfallen, und dass wir einfach größere Spielräume haben, um am Patienten tätig zu werden."

Übrigens: Wären alle Privatpatienten kassenversichert, würden dem Gesundheitssystem in Deutschland jedes Jahr mehr als 9,5 Milliarden Euro fehlen. So viel mehr geben privat Versicherte für Medikamente, für Behandlungen beim Arzt, beim Zahnarzt oder im Krankenhaus aus.

Quelle: www.medi-verbund.de




Neues aus der Gesundheitspolitik
Die Mär von der "doppelten Facharztschiene": Wer braucht schon den Facharzt um die Ecke?

Zehn Milliarden sparen im Gesundheitswesen – kein Problem, meinen manche Politiker. Es müssten nur die niedergelassenen Fachärzte ihre Praxis für immer schließen. Deren Arbeit könnten doch die Fachärzte an den Kliniken übernehmen, die es dort ohnehin gebe. Diese "doppelte Facharztschiene" sei ein überflüssiger Luxus des deutschen Gesundheitssystems. "Argumente vom grünen Tisch", halten Kenner dagegen. Sie wissen: Was niedergelassene Fachärzte leisten, bieten Kliniken gar nicht an – und umgekehrt. Macht die Politik aber Ernst und schafft die niedergelassenen Fachärzte ab, brechen für Patienten schwere Zeiten an. In Nachbarländern ohne niedergelassene Fachärzte müssen Patienten monate-, teilweise jahrelang auf einen Termin beim Spezialisten warten.

Seine gute Laune lässt sich der Orthopäde Wolfgang Bartels aus Kreuzau in Nordrhein-Westfalen eigentlich nie verderben. Der Facharzt scherzt gerne mit den Patienten und nimmt sich für jeden Kranken ausreichend Zeit – auch wenn der übervolle Terminplan einen extrem langen Arbeitstag bedeutet. Seine Miene verfinstert sich hingegen schlagartig, wenn er den Ausdruck "doppelte Facharztschiene" hört:"Politiker, die meinen, Klinik-Fachärzte könnten meine Patienten genauso gut behandeln, müssten mal in meine Praxis kommen. Dann würden sie vielleicht sehen, dass wir hier Leistungen erbringen, die Kliniken gar nicht anbieten. Außerdemarbeiten wir viel günstiger als eine Klinik – mal ganz abgesehen davon, dass unsere Patienten nicht so weite Wege in Kauf nehmen müssen, als wenn sie jedes Mal in eine zentrale Klinik müssten", schnaubt der Mediziner.

Den mahnenden Worten aus dem Arzt-Alltag schenken manche Politiker dennoch kein Gehör: Der SPD-Gesundheitspolitiker Professor Karl Lauterbach verkündet landauf, landab, die Deutschen seien mit Fachärzten schlichtweg überversorgt. Sein Rezept: der "Abbau der doppelten Facharztschiene". Zehn Milliarden Euro, rechnet er vor, ließen sich im Gesundheitssystem sparen. Es müssten dafür nur die vielen einzelnen Facharztpraxen dichtmachen und Fachärzte nur noch an Kliniken oder dort angegliederten großen Versorgungszentren arbeiten. So würden unnütze Doppeluntersuchungen wegfallen und die medizinischen Geräte kämen effektiver zum Einsatz.

Ob bei dieser Argumentation allerdings immer kühle Ökonomie regiert, bezweifeln nicht wenige Kritiker des SPD-Politikers. Immerhin sitzt Lauterbach im Aufsichtsrat der Rhön-Kliniken, eines riesigen Krankenhauskonzerns. Allerdings stößt Grünen-Chef Reinhard Bütikofer ins gleiche Horn: Die Krankenkassen geben seiner Meinung nach "wegen der Doppelstrukturen von niedergelassenen Ärzten und Krankenhausmedizinern fünf bis zehn Milliarden Euro mehr aus als eigentlich nötig".

Walter Plassmann kann bei solchen Aussagen nur den Kopf schütteln. Der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung in Hamburg hat die Strukturen in Klinik und Praxis lange verglichen. Sein Fazit: "Fachärztliche Tätigkeit in Klinik und Praxis sind nicht miteinander zu vergleichen. Kein Krankenhaus bietet an, was ein niedergelassener Augen oder HNO-Arzt, ein Orthopäde oder Gynäkologe in seiner Praxis anbietet." Überflüssige Doppelstrukturen kann der Experte nicht finden.

Anders sehe es bei hoch spezialisierten Eingriffen aus, die auch extrem teure Geräte erfordern. Hier gelte jedoch: "Niedergelassene Ärzte und Mediziner an den Kliniken haben effektive Formen der Zusammenarbeit gefunden. Es gibt beispielsweise nicht ein einziges Herzkatheter-Labor in Hamburg, das nicht mit einem Krankenhaus zusammenarbeitet", erklärt Plassmann. Auch seien zwei von drei strahlentherapeutischen Praxen an Kliniken angeschlossen. "Dort, wo es sinnvoll ist, arbeiten beide Bereiche seit Langem zusammen."

Gibt es Fachärzte nur noch an den Kliniken, birgt das große Nachteile für die Patienten: Den einen, vertrauten behandelnden Arzt wie in der niedergelassenen Arztpraxis gibt es dann nicht mehr. In der Klinik behandelt der, der gerade Dienst hat. Kritiker warnen deshalb vor einem Infomations- und Qualitätsverlust bei der Behandlung. Nachvollziehbar, gerade wenn sich jedes Mal ein Arzt neu in den Fall einarbeiten muss. Plassmann: "Ein Vertrauensverhältnis entsteht so wohl nur sehr schwer." Und: In der Klinik herrscht nicht – wie in der Facharztpraxis – auch der sogenannte Facharztstandard. Das bedeutet: Hier behandeln auch Ärzte, die noch in der Ausbildung sind und deshalb noch längst nicht so erfahren. Die Behandlung durch erfahrene Spezialisten ist in der Klinik nicht selten den Privatpatienten vorbehalten.

Auch die Klinikärzte selbst warnen davor, das jetzige System zu zerstören: "Wichtig ist es, dass wir Ärzte im Krankenhaus mit unseren niedergelassenen Kollegen optimal zusammenarbeiten. Da sollten alle Reformbemühungen hingehen. Die wohnortnahe Versorgung durch die Fachärzte in den Praxen muss erhalten bleiben. Diese Strukturen sind in den vergangenen Jahren so gewachsen, weil sie sich bestens bewährthaben", betont Dr. Martin Gödde vom Klinikärzte-Verband Marburger Bund in Hamburg. Darüber hinaus hätten die Kliniken gar nicht die Kapazitäten, die komplette fachärztliche Versorgung zu übernehmen.

Zweifel sind auch bei dem Argument angebracht, eine fachärztliche Versorgung am Krankenhaus sei billiger. "Die Kliniken setzen bei vielen therapeutischen Verfahren ihre großen Geräte ein. Da wird ein kleiner Eingriff gleich mit der Computertomografie verfolgt, wo ein erfahrener niedergelassener Kollege auch ohne bildgebende Verfahren auskommt. Das ist extrem teuer und dauert oft auch länger", rechnet der Orthopäde Wolfgang Bartels vor. Darüber hinaus bestehe die Gefahr, dass der "tägliche Kleinkram", den ein niedergelassener Arzt mit Sorgfalt durchführe, in der Klinik vernachlässigt werde. Schließlich verdienten die gewinnorientierten Klinikkonzerne kaum etwas daran, wenn ein Arzt beispielsweise orthopädische Einlagen, kleinere Hilfsmittel oder Infusionen verordne.

Eine Meinung, die offenbar auch Wissenschaftler teilen – und daraus Schlüsse ziehen, die denen von Karl Lauterbach entgegengesetzt sind: Ziel der künftigen Reformen müsse es sein, Behandlungen am Krankenhaus überflüssig zu machen, erklärte niemand Geringeres als der Vorsitzende des Sachverständigenrates Bert Rürup kürzlich dem "Hamburger Abendblatt". Schließlich seien "krankenhauszentrierte Systeme in der Tendenz zu teuer".

"Die bisherige Versorgung ist preiswert", bekräftigt auch der niedergelassene Facharzt für Nervenheilkunde, Dr. Ulrich Thamer. Der Mediziner steht an der Spitze der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, die davor warnt, den "Facharzt um die Ecke" zum Auslaufmodell zu machen. "Ohne niedergelassene Ärzte entsteht eine zentralisierte fachärztliche Versorgung. Das bedeutet für die Patienten vor allem lange Anfahrtswege und lange Wartezeiten", fürchtet Thamer. Dies zeigten Erfahrungen aus anderen Ländern, in denen ein Versorgungssystem ohne Facharztpraxen bereits bestehe. "Solche leidvollen Erfahrungen wollen wir den Patienten ersparen."

Doch auch die Kritiker der "doppelten Facharztschiene" argumentieren gerne mit dem Blick ins Ausland. Was dort funktioniere, lasse sich doch auch auf Deutschland übertragen. Grund genug, sich einmal jenseits der deutschen Grenzen umzuschauen: In Großbritannien existieren beispielsweise fast keine Facharztpraxen. Die Fachärzte arbeiten in Krankenhäusern, in denen sie sowohl für die stationäre als auch für die ambulante fachärztliche Versorgung zuständig sind.

Das Wissenschaftliche Institut der privaten Krankenversicherung (WIP)untersuchte das System in Großbritannien und verglich es mit dem hiesigen. "Die Folgen der Rationierung – insbesondere in Form von Wartelisten – sind für die britische Bevölkerung beängstigend und belastend zugleich", heißt es in einer entsprechenden Auswertung. Ein weiterer Nebeneffekt: Zwischen 1997 und 2006 hätten sich die Gesundheitsausgaben in diesem System verdoppelt, der britische Staat pumpe jedes Jahr mehr Steuergelder in das Gesundheitswesen.

Auch in den Niederlanden sind niedergelassene Fachärzte quasi unbekannt – und auch dort wirkt sich dies offenbar nicht zum Vorteil der Patienten aus: "Die Patienten aus Holland, die einen Facharzt brauchen, werden mittlerweile im grenznahem Gebiet in Deutschland versorgt", weiß Dr. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin. Aus Sicht der Politik dort sei das vielleicht ein gutes System, da es leichter zu steuern sei. Auch sei es für die Krankenkassen leichter zu überschauen. "Nur für die Patienten ist es ein großer Nachteil."



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Quelle: www.durchblick-gesundheit.de
24.01.2007 17:43 / Jan Scholz
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